Von 7. Mai 2012 0 Kommentare

Die Textilzelle, eine studentenfreundliche Produktionsstätte

TEXTILZELLE e.V.

Textilzelle Berlin

Der Berufseinstieg eines Modedesignstudenten ist nicht gerade einfach, da spreche ich aus eigener Erfahrung. Hier gilt es, dass die Hochschulen mit den entsprechenden Studiengängen aktiv werden. Mit dem Label 30paarhaende (worüber wir im nächsten Beitrag berichten) und der Textilzelle e.V., haben sich Mitglieder der HTW Berlins etwas einfallen lassen.

Franzius Auftrag

Auftrag für das Label Franzius

Die Textilzelle ist ein kleiner Verein an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW Berlin). In einem Raum der Hochschule werden bekleidungstechnische Dienstleistungen für Studenten, Absolventen und Unternehmen angeboten. D.h. dass Studenten z.B. ihre Bachelor-/ Masterkollektionen in Auftrag geben und professionelle Schneiderinnen für sie produzieren – ob es sich um Einzelstücke oder Kleinproduktionen handelt, ist dabei egal. Großartig ist dabei auch, dass die Näherinnen viel Know How besitzen und bei Problemen aller Art helfen können. Die Resultate sind immer von höchster Qualität.

Das Konzept dahinter ist sehr spannend. Dit is Fasion! interviewte dafür Jutta Kindler, angestellte Näherin der Textilzelle.

Jutta Kindler von der Textilzelle

Wann und von wem wurde die Textilzelle gegründet, Frau Kindler?

Die Textilzelle wurde 2007 von den Designern des Labels Majaco (Janine Weber, Anna Franke, Franziska Piefke), Professor Schneider aus der Bekleidungstechnik, Peter Quack vom OSZ Kreuzberg und Professor Uwe Janssen – letztere beiden sind heute noch im Vorstand. Denn aus dem Aninstitut der Hochschule für Technik und Wirtschaft, wurde 2008 ein gemeinnütziger Verein.

Inwiefern ist die Textilzelle gemeinnützig?

Die Einnahmen und Aufträge dienen dazu, den Studenten und Absolventen der Hochschule eine technische, aber auch wirtschaftliche Starthilfe zu ermöglichen – für einen besseren Berufseinstieg. Dies hat also einen ideellen und wirtschaftlichen Wert. Die Studenten nehmen an Projekten teil, helfen bei Aufträgen mit und es gibt Praktikumsstellen. Die Textilzelle dient auch als Kontaktzelle – die Studenten bekommen auch gute Kontakte und werden weiter empfohlen.

Ausserdem diente die Textilzelle von Anfang an der Wissenschaft und Forschung, in enger Kooperation mit der HTW, z.B. die Testung von verschiedenen Materialien und Verarbeitungsmöglichkeiten und die Forschung im Bereich der artfremden Materialien und deren Verarbeitung. Wir haben bereits Latex, Fahrradschläuche und Neopren verarbeitet. Leder und Seide stehen auch im Fokus.

Am Arbeiten in der Textilzelle

Am Arbeiten in der Textilzelle

Wer darf bei Ihnen etwas in Auftrag geben?

Im Prinzip jeder. Allerdings sollte derjenige schon Schnitte und Materialien selbst mitbringen. Eine Zeichnung und ein radikal genähtes Musterteil dienen der besseren Veranschaulichung. Die Studenten und Absolventen können sich dazu in unserem Nählabor einmieten.

Für wen haben Sie schon produziert?

Neben den ganzen Studentenaufträgen, bekommen wir auch viele von kleinen Labels, aber auch Modeunternehmen, die schon einen Namen haben. Wir haben u.a. für die Label Franzius, Julice en reve, Emira Thomsen uvm. genäht. Hier einige Beispiele:

Aus dem Lookbook für Julice en Reve

Aus dem Lookbook für Julice en Reve

 

Schnittmuster von Julice en reve

Schnittmuster von Julice en reve

Mäntel für Franzius

Mäntel für Franzius

Textilzelle näht für Franzius

Textilzelle näht für das Label Franzius

Westen mit Logo für die HTW Berlin

Westen mit Logo für die HTW Berlin

Wieviele Teile können Sie maximal produzieren und was ist, wenn ein Auftrag zu groß ist?

Wir schaffen ca. 5-200 Teile. Wir sind ein sehr kleines Team, ist der Auftrag aber groß, beziehen wir das OSZ Kreuzberg mit ein. Dort werden Schneider und Bekleidungstechniker ausgebildet, die eine sehr gute Ausrüstung zuhause haben, aber leider wenig Aufträge. So greifen wir denjenigen unter die Arme, die das Know How haben, aber teilweise arbeitslos sind oder als Selbstständige kämpfen.

In der Textilzelle

In der Textilzelle

Können Sie sagen, wo Sie preislich liegen?

Das ist ganz unterschiedlich. Zum Beispiel kann man sagen, dass wir für ein Oberbekleidungsstück zwischen 30 und 100 Euro nehmen. Für ein Kleid vielleicht mal 28 Euro, für einen aufwendigeren Mantel 100-150 Euro. Das sind meist aber auch eben sehr aufwendige Teile und es hängt ganz stark vom Design und dem Ansprüch des Designers.

Textilzelle mit Ausblick

Wo soll es mit der Textilzelle zukünftig hingehen?

Die Textilzelle soll so bestehen bleiben und auch wachsen, d.h. mehr Aufträge, die wir ggf. auch auslagern können. Lokalisiert im Herz der HTW, bleibt es die Anlaufstelle der Studenten. Wir brauchen allerdings fördernde und helfende Mitglieder, damit wir weiterhin sehr gutes Equipment bereit stellen können und den Studenten und Absolventen und arbeitslosen Fachkräfte und Jenen aus der Modeszene noch mehr ermöglicht werden kann. Es gibt Mitgliederbeiträge, mit denen uns geholfen werden kann, dafür gibt es dann aber auch 10% Mitgliederrabatt.

Haben Sie vielen Dank. Wir sind froh, dass es solche Projekte gibt und das Berufseinsteigern geholfen wird!

Textilzelle

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Veröffentlicht in: Kiekste wa!

Über den Autor:

Die Modedesignerin, Stylistin und Fotografin schreibt hauptsächlich für dieses Modeblog. Sie ist bekannt für ihre fantasievollen Fotos – vor die Linse gekommen sind ihr dabei schon verschiedenste Musiker, Tänzer, Fetish-Performer und außergewöhnliche Individuen aus den Tiefen der Kunst-Welt. Auf Konventionen und Regeln legt die junge Berlinerin dabei keinen Wert und im Ergebnis ist ihr experimentelles Werk dabei alles andere, als langweilig oder gestellt. Erfahrungen als Designerin hat sie bereits bei Joop!, Burberry, Trendbüro Seasons Paris und bei Berliner Labels wie Don’t Shoot The Messengers, Savage Wear und im Bereich Marketing/ PR bei Fashion Patrons und Marketing Catalysts gesammelt. Ihr weites Netzwerk und ihren vielen Talente bekommt ihr nun geballt bei Dit is Fashion!

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