Von 9. Juni 2015 0 Kommentare

Dit is ’ne Fashion Kolumne: Leben im Berliner Schneckenhäuschen

Schneckenhaus

Immer, wenn ich mich mal aus unserer wunderbaren Hauptstadt hinausbewege, stelle ich fest, wie sehr man sich doch an dieses Blubberblasen-Leben gewöhnt hat. Trends aus Magazinen sieht man wie selbstverständlich die Strasse hoch und runter marschieren. Supper Clubs? Gar kein Problem, zu welchem würdet ihr denn gerne gehen? Sonntagnachmittags auf einem verrückten Open Air mit Konfetti und jeder Menge Whooo und Huiii abtanzen? Sicher doch, wir stellen dir gerne eine Liste zusammen. Richtig spannend wird es aber, wenn man das Schneckenhäuschen verlässt und sich Bums, in der Realität wieder findet.

Das mag nun bei Open Airs und Supper Clubs keine so große Sache darstellen, aber in manchen Momenten trifft einen die Erkenntnis wie ein Schlag vor den Kopf. Ein Beispiel: Vegan leben. Das darf jeder handhaben wie er möchte, in Berlin ist es für Freunde dieser Esskultur auch überhaupt kein Problem, alle Zutaten zum Kochen zu bekommen oder man sucht sich eines der 30 Veganen Restaurants in seinem Stadtteil aus. Außerhalb der Blubberblase, wo es etwas grüner, etwas ländlicher wird, hält man diese Art zu leben jedoch oft noch für Spinnerei. Das Vegane Gericht, das ganz modern neben dem Hirschgulasch und der Schweinshaxe auf der Karte platziert wurde, ist mit dann im schlechtesten Fall mit Käse überbacken und es thront ein Spiegelei darauf.

Auch in Sachen Modetrends kann man ganz schön auf die Nase fallen, wenn man in den neusten Trendteilen in Klein Tüdelü aufmarschiert und sich die Menschen irritiert umsehen oder Freundinnen einen zur Seite nehmen, warum man denn so verloddert herumläuft. In Berlin und unserer kleinen Blubberblase ist es dagegen völlig normal, im Schlafi zum Bäcker zu gehen. Es ist quasi Start-Up Standart, dass man einen CTO nur schwer vom Praktikanten unterscheiden kann.

Nun könnte man ja vermuten, dass es sich ganz fabelhaft in diesem Berliner Schneckenhäuschen lebt: Alles als erstes sehen, schmecken, ausprobieren. Das hat auf jeden Fall seinen Reiz, führt aber eben auch wahnsinnig schnell zu einem Überangebot und zu fast skurrilen Versuchskaninchen-Momenten –  Nicht umsonst setzen sich gewisse Konzepte nicht durch, platzen manche Träume wieder.

Viele Dinge verlieren all zu schnell den Reiz des Neuen und tauchen erst wieder im eigenen Empfinden auf, wenn sie sich auch im Rest der Republik durchgesetzt haben. Und an alle, die dann immer „Ich hab’s zuerst gesehen“ schreien: Das macht es auch nicht besser, sondern die Blubberblase manchmal ganz schön eng und anstrengend.

Und die Moral von der Geschicht: Manchmal einfach mal den Kopf aus dem Schneckenhäuschen stecken und schauen, was sonst eigentlich gerade so los ist.

In diesem Sinne: Eine schöne Woche euch!

Dit wär doch och wat für dich:

Veröffentlicht in: Mode

Über den Autor:

Die Moderedakteurin und Kolumnistin schreibt bereits seit einigen Jahren für verschiedenste Online- und Printpublikationen. Ob George Clooney in New York oder Marc Jacobs in Berlin, Interviews und kleine Anekdoten liegen ihr besonders am Herzen und aus dem Grund wird sie euch zukünftig in ihrer Kolumne mit einem Augenzwinkern vom Leben zwischen aufregenden Fashionevents und gemütlichen Samstagen im Café berichten.

Veröffentliche einen Kommentar