Von 23. September 2015 0 Kommentare

KANCHA – DESIGN FÜR URBANE NOMADEN

„Hier wie dort sieht man Menschen, die leben, lieben und versuchen ihre Träume zu verwirklichen.“

(Tobias Gerhard, CO-Founder)

Berlin und die kirgisische Hauptstadt Bishkek trennen einige Kilometer und Ländergrenzen. Und dennoch: In meiner Hand halte ich ein wunderschönes Portemonnaie, das vor Kurzem noch in Bishkek von Hand liebevoll angefertigt wurde und kurz darauf direkt in meinem Briefkasten gelandet ist. Kancha, das Label für urbane Nomaden, macht’s möglich. Denn dahinter steckt ein geniales Konzept. Wie das genau funktioniert und warum Tobias Gerhard, der allererste urbane Nomade und Mitgründer von Kancha, sich für seine Wahlheimat Kirgistan entschieden hat, habe ich ihn gefragt. Lest selbst!

Origami

Ihr schafft Produkte für urbane Nomaden. Was zeichnet einen urbanen Nomaden aus?

Urbane Nomaden sind Leute mit einem mobilen Lifestyle und Affinität für Hightech und Design, die sich in der Großstadt aber ebenso zuhause fühlen wie irgendwo in der Natur. Das können Grafikdesigner, Journalisten und irgendwelche Kleinunternehmer sein, oder auch ein ganz normaler Bankangestellter. Denn es geht vor allem um die Einstellung und das Gefühl: Freisein, nicht materialistisch sein, sich auf das wichtigste zu reduzieren und trotzdem einen ästhetischen Anspruch zu haben.

Deine Wahlheimat und Inspirationsquelle sowie Produktionsstätte für Kancha ist Kirgistan. Was fasziniert dich so sehr an den Menschen und ihrer Kultur?

Mir hat es schon immer Spaß gemacht in andere Länder und Kulturen einzutauchen. Kirgistan finde ich aber besonders spannend, da es ein Melting Pot so vieler verschiedener Einflüsse ist. Die traditionelle Nomadenkultur, deren Überbleibsel man auf dem Land noch überall vorfindet, die Hauptstadt Bishkek mit Street Art, Techno-Parties und kleinen Szene-Cafes oder der sowjetische Einfluss mit seiner pompösen Infrastruktur.

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Was sind deiner Meinung nach die gravierendsten Unterschiede im Alltag, wenn man in der Hauptstadt Bishkek oder hier in Berlin lebt?
Auf den ersten Blick ist das Leben gar nicht so anders wie man vielleicht erwarten würde. Hier wie dort sieht man Menschen, die leben, lieben und versuchen ihre Träume zu verwirklichen. Auf den zweiten Blick bemerkt man aber doch gewisse Unterschiede. Familienzusammenhalt und Gastfreundschaft sind in Kirgistan viel stärker ausgeprägt als bei uns, daher sieht man kaum Obdachlose, obwohl das Land im Durchschnitt deutlich weniger wohlhabend ist als Deutschland. Mein Alltag in Bishkek ist eigentlich wie der in Berlin, nur muss man sich daran gewöhnen, dass in Bishkek alles etwas informeller und unvorhersehbarer läuft. Hier zählt das Gesagte meist mehr als das geschriebene Wort.
Kannst du uns mal kurz den Prozess eines einzelnen Produkts von Anfang bis Ende schildern? Vom Entwurf bis hin zur Produktion und letztendlich dem Verkauf an den Endkunden, wo findet was statt?
Unser Lead-Designer Jonas sitzt in Berlin und gibt in der Regel den Impuls für ein neues Produkt. Dann werden Zeichnungen nach Kirgistan geschickt und erste Prototypen in unserer Werkstatt entwickelt. Anschließend sind meist mehrere Feedback-Runden notwendig. Das ist nicht ganz einfach, wegen der großen Distanz und auch der Sprachbarrieren, aber mittlerweile haben wir das mit Whatsapp, Skype und unserer Lingua Franca Englisch ganz gut in den Griff bekommen. Wenn das finale Design steht, geht es in die reguläre Produktion und Produktfotos landen auf der Webseite. In Berlin haben wir unsere Marketing-Zentrale und das Lager. Das heißt, wer ein Produkt bestellt hat, bekommt es innerhalb von wenigen Tagen zu sich nach Hause geschickt, Mit einem handsignierten Label eines Handwerkers aus Kirgistan, der an dem Produkt mitgearbeitet hat.
  sewing artist Elniza at work
Wie waren damals die ersten Reaktionen der Einheimischen als sie von deinem Plan erfuhren?
Ehrlich gesagt ziemlich gleichgültig zu Beginn. Die Handwerker waren zwar nicht abgeneigt, aber hatten zunächst auch nicht allzu große Erwartungen. Sie wollten erstmal abwarten, ob daraus wirklich etwas wird. Und Freunde hatten mir gesagt: „Nette Idee, aber kirgisische Filz-Souvenirs gibt es schon viele…“ Erst als wir 2013 das Crowdfunding erfolgreich über die Bühne gebracht hatten und die ein die ersten Paar hundert Sleeves hergestellt und verkauft waren, hat sich das geändert. Mittlerweile sind alle Beteiligten ziemlich stolz auf das, was bisher erreicht wurde.
  
Gibt es ein persönliches Lieblingsprodukt von euch, das du immer bei dir trägst? 
Unser Klassiker, das Laptop-Sleeve. Ich nutze noch immer regelmäßig für mein Macbook das Handsome-Sleeve, das als einer der ersten finalen Prototypen hergestellt wurde.
Welche Möglichkeiten gibt es, euer Projekt zu unterstützen?
Wir sammeln keine Spenden, sondern sind ein Unternehmen, dass für alle direkt und indirekt Beteiligten Mehrwert generieren will. Wenn du das, was wir machen und wie wir es machen gut findest, gibt es sicher das ein oder andere Produkt in unserem Shop, das sich als Geschenk für dich oder einen deiner Liebsten eignet. Und ansonsten: Spread the word!
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Gibt es etwas, dass dir persönlich in Kirgistan fehlt und für das du gerne wieder mal nach Berlin reisen würdest?
Zu kaufen gibt es fast alles auch in Bishkek. Der wichtigste Grund ab und an in die Heimat zu reisen sind Freunde und Familie!
Vielen Dank und viel Erfolg mit euren wunderbaren Produkten!
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Veröffentlicht in: Mode

Über den Autor:

Die ausgebildete Modedesignerin Lisa „Litchi“ Völker hat es vom schönen Bodensee zunächst nach Stuttgart und anschließend nach Berlin verschlagen. Als Personal Shopperin, Stylistin sowie als Visual Merchandiserin hatte sie immer ein Auge für komplette Looks und liebt es Streetstyles aber auch ganz neue Trends auf der Straße zu entdecken. Ein absolutes Faible hat sie für ausgefallene Accessoires und Schuhe. Auf kreativen Märkten, Modemessen und Fashionevents blüht Litchi auf und hier kommt ihre zweite Leidenschaft, das Schreiben, ins Spiel. Über ihre Touren schreibt sie als Moderedakteurin ab sofort nicht nur auf ihrem Blog sondern auch für Dit is Fashion.

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