Von 23. November 2015 0 Kommentare

Pixel-Jacken von Veronika Aumann

Der Blick in den Kleiderschrank und die morgendliche Frage – für welches Outfit entscheide ich mich heute bloß? Bleibe ich beim komplett schwarzen Outfit? Und gehe wie so oft auf Nummer sicher –  Schwarz geht irgendwie immer. Oder wage ich um der winterlichen Dunkelheit zu trotzen den Griff zu etwas mehr Farbe und trage ausnahmsweise mal Bordeaux? Der frisch gekochte Kaffee duftet in der Küche und während ich die Milch aufschäume und der Radiomoderator etwas zu gequält versucht gute Laune-Stimmung zu verbreiten, entscheide ich mich gedanklich dann doch für die dezentere Variante in Dunkelblau statt im Kleinen durchzudrehen, aus dem Vollen zu schöpfen, der Tristesse die Stirn zu bieten und das neue gestreifte Kleid endlich mal auszuführen.

Veronika Aumann, Verein der Gestaltung screenstoff#1.BJ

Die alltägliche Qual, sich morgens noch halb verschlafen für ein passendes Outfit entscheiden zu müssen, könnte schon bald der Vergangenheit angehören, wenn es nach Veronika Aumann geht. Denn die junge Berliner Designerin entwickelt momentan in Zusammenarbeit mit dem Frauenhofer Institut einen sogenannten Screenstoff. Das ist ein weicher, textiler Bildschirm den man am Körper tragen kann. Man wird als Trägerin quasi selbst zum Screen. Man kann also in naher Zukunft die eigenen Instagram-Account auf dem Mantel tragen oder gar den Tatort beim besten Freund auf der Jacke gucken und im Club wird man selbst zum tanzenden Visual. Nie mehr also die Qual der Wahl, welche Farbe man wohl am besten trägt. In Zukunft kann sie einfach wechseln. Wenn man möchte mehrmals täglich. Veronika Aumann ist Absolventin der Kunsthochschule Weißensee in Berlin, wo sie Textildesign studiert hat. Schön während ihres Studium hat sie begonnen sich für die Fusion von Mode und Technik zu beschäftigen.

2. veronikaaumann_screenstoffe_screenstoff#1_12

Liegt dort also die also die Zukunft der Fashion-Industrie? Veronikas Screenstoff birgt eine komplexe Technik, die sie gemeinsam mit Ingenieuren des Frauenhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration immer weiter ausfeilt. In das Gewebe werden textile Leiterbahnen eingearbeitet, im Prinzip wie ein Faden der wie ein Kabel die Spannung überträgt. Auf dem Gewebe werden mikroskopisch kleine LEDs und ein Chip aufgenäht, die wie meinem TV-Screen oder Smartphone jede beliebige Farbe und Helligkeit darstellen können. Sogar waschen kann man diesen Screen, der alle Qualitäten eines Stoffes haben soll. Und eingesetzt werden soll nicht nur in der Mode. Er eignet sich zum Beispiel für Bühnen als Kulisse oder für Firmen als Werbevorhang. Noch ist das alles eine Vision aber Veronika Aumann stößt mit ihrem Projekt nicht nur bei der Modewelt auf großes Interesse – und wer weiß vielleicht tragen wir in Zukunft alle Screen.

Dit wär doch och wat für dich:

Veröffentlicht in: Mode

Über den Autor:

Sie lebt seit mehr als einer Dekade in Berlin und liebt die Hauptstadt für ihren Facettenreichtum. Die Welt der Mode, Kunst und Musik haben es ihr angetan. Ihr besonderes Interesse gilt spannenden Newcomern und unentdeckten Trends. Sie hat seit 2007 keine Fashion Week in Berlin verpasst und das soll für Dit is Fashion auch so bleiben.

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