Von 4. September 2012 1 Kommentar

Valentina Veil: Psychedelic Berlin

Wir sprachen mit der Musikerin und Künstlerin Valentina Veil über das Freud und Leid ein Künstler zu sein – vor allem in Berlin, Europa vs. USA und den Trend der 90iger…

Valentina Veil

© Elle Schneider

Valentina, was hat dich nach Berlin gebracht?

Ich hatte schon immer eine besondere Bindung zu Berlin, zu der dramatischen und faszinierenden Geschichte – der Expressionismus in Kunst und Film beinflusste nachhaltig meine Bilder, Musik und Poesie, aber auch die Musikszene in den 80igern, die Untergrundkulturen und ich bin ausserdem ein großer Fan von Fassbinder. Mir war frühzeitig klar, dass ich irgendwann hier leben werde und vor 6 Jahren rief mich plötzlich ein Produzent aus Berlin an, weil er an meinen Songs interessiert war. Er bot mir einen Vertrag an und dass ich zwischen Rom, wo ich zu der Zeit wohnte, und Berlin pendeln konnte. Da habe ich aber auch realisiert, dass meine Zeit mit Rom vorüber war und Berlin gab mir alles was ich brauchte,  vor allem die Dichte an kreativen Leuten – es war einfach magisch, es kam viel Input, der Himmel, die netten Cafés, das kalte Wetter, Leute aus der ganzen Welt – man wusste, da passiert was und ich fühlte mich zuhause.

Valentina Veil und Justin de Vries

Justin de Vries & Valentina Veil, © Mark Steiner

House of Light

© Elena Gerlach

Du bist ein Mitglied der Psychedelic-Band House of Light…wie kam es dazu?

Ja, ich spiele Keyboard und singe und bin verantwortlich für die Visuals und die Produktion der neuen Tracks. Ich habe Justin de Vries (Sänger/Gitarrist von HOL) vor zwei Jahren und es war sofortige Anziehung. Ich habe nicht damit gerechnet in der Band zu spielen, obwohl ich immer meine eigenen Songs geschrieben habe, aber es war eine komische Zeit. Ich habe meine ganze Zeit damals für eine Produktion verschwendet, die ich letztendlich abgesagt habe. Ich hätte zwar gut verdient, aber ich hätte mein Image komplett ändern müssen – natürlich was für die Werbung gilt. Ich konnte es nicht. Ich habe eine sehr klare Vorstellung von Stil, Image und was ich sonst so machen möchte, demach wollte ich mich für das Geld nicht verbiegen.

Als ich also Justin traf, brauchte HOL einen Keyboarder für die Italien-Tour und ich meinte: „Ok, ich liebe die Songs und bin seit ner Weile nicht mehr aufgetreten, also lass uns loslegen“. Da wusste ich nicht, dass es noch besser kommen sollte. Unsere Verbindung war stark, was sich beim Songwriting widergespiegelt hat. Ich brachte mich bei HOL ein und die Band wurde zu meiner Priorität. Ich schreibe auch anderes Zeug, welches irgendwann mal als mein Solo-Projekt das Licht der Welt erblicken wird.

Valentina Veil Brooklyn

@ Stephanie Guedalia

Wo und wann werdet ihr als nächstes spielen?

Am 12.Oktober in London. We touren gerade die Staaten, heute Abend spielen wir in Portland und dann Seattle. Amerikaner lieben uns, wahrscheinlich mehr als die Deutschen. Ich glaube, dass das deutsche Publikum ziemlich zurückhaltend ist und sich nicht so gehen lassen kann zu lautem psychedelischen Rock’n Roll aber trotzdem haben wir dort eine gute Fanbase. Wir sind zurück in Berlin im Oktober und wir haben ein paar Auftritte in England und Deutschland.

House of Light Valentina Veil

© Leva Ann

Kommt dann bald auch ein neues Album raus und wo können wir es ergattern?

Wir arbeiten zur Zeit an unserem 2. Album. „Come Into My Night” ist der Titel von unserem ersten Album, welches bei unserem Label Pale Music erschienen ist       (www.pale-music.com) und zu kaufen gibt es denn in größeren Läden wie Dussmann oder online über Bandcamp  (http://houseoflight.bandcamp.com/). Hier ist ein kleiner Vorgeschmack auf unser neues Album “Strange City Calling”

Wie enstehen bei euch die Songs? Was kommt zuerst – die Musik oder das Wort?

Songs oder Gedichte überraschen mich einfach, ich plane nie sie zu schreiben. Meistens bin ich bei Liedern eher an der Musik als an den Lyrics interessiert. Wenn ich einen bestimmten Sound für meine Musik mag, dann finde ich auch die passenden Wörter dazu, was zu einer logischen Bedeutung führt. Also würde ich sagen, dass Musik zuerst kommt. Jeden Tag arbeite ich daran, mein Schreiben zu verbessern und meiner Fantasie Ausdruck zu verleihen und nichts fasziniert mich mehr, als Wörter, Klänge und Farben zusammen zu mischen. Gerade arbeite ich an meinem ersten Gedicht  “The Mazy Spiral“. Es wird einige Links zu experimentellen Kurzfilmen enthalten, die ich unter dem Namen „Void Pictures“ zusammengefasst habe. http://soundcloud.com/voidpictureshttp://soundcloud.com/voidpictures

House of Light

House of Light

Hast du bestimmte Lieblingsbands?

60iger, 80iger und 90iger sind meine Favoriten. Nach 1996, als eine Menge großartiger Scheiben rauskamen, ging es bergab – mir fällt zumindest keine Band ein, die ich einzigartig bzw. überraschend fand. Es ist natürlich der Eklektizismus – wie auch in Film oder der Mode – es ist alles schon einmal dagewesen und wird neu kombiniert. Letztes Jahr gab es ein großes 80iger-Revival und jetzt scheinen alle die 90iger zu vermissen. Ein paar der Bands/ Musiker, die mir nie zuviel werden und die ich ständig höre, obwohl sie nicht mehr spielen, sind z.B.  Velvet Underground & Nico, Kate Bush, Joy Division, The Smiths, Bauhaus, Killing Joke, Crime & City Solution, Sonic Youth, Nirvana, Pulp, Smashing Pumpkins, Sex Pistols, Kraftwerk, Serge Gainsbourg, Leonard Cohen, Throbbing Gristle, John Cage, Nina Simone, Billie Holiday, Edith Piaf, Chopin, Rachmaninov. An neuen Bands mag ich  Zola Jesus, The Soft Moon, Brian Jonestown Massacre, Singapore Sling, Htrk, Porcelain Raft, Beach House, und House of Light natürlich!

Deine Agentur heißt „Unknown Pleasures“ – welche Künstler nimmst du ins Visier?

Unknown Pleasures ist eine multikünstlerisches Projekt, welches das Augenmerk auf Promotion in den Bereichen Untergrundmusik, Kunst , Videos, Performances etc. legt, alles Mögliche was mit der Verschmelzung von Wörtern, Zeichen, Klängen, Geräuschen, Formen und Farben zutun hat. Ich reise sehr oft und versuche meine Erfahrungen mit einzubringen, um die Brücken zwischen Ländern und neuen Kollaborationen zu schlagen. Das nächsten Unknown Pleasures Event wird am 12. September in Portland in der Lovecraft Bar sein – einer meiner Lieblingsorte in der Stadt. Ich plane auch mich im Modebereich zu betätigen – Musik und Mode waren schon immer verbunden und auch jedes Musikgenre kreiert einen neuen Stil. Ich würde gerne eine Kollektion designen, die alle Künstler würdigt, mit denen ich gearbeitet habe.

Was können wir an Events in Berlin erwarten?

Das nächste Event wird von Corpo 6 und Unknown Pleasures im November organisiert. Es wird eine Symbiose aus verschiedenen Sprachen und wird einige Künstler wie z.B. The Fuzztones, Chocolate Starfish, Robert Carrithers, Paulina Wallenberg, Torsten Solin uvm. featuren. Es wird ein Mini-Festival sein, dass DIONYSUS heißt und 3 Mal im Jahr stattfindet.

Valentina Veil House of Light

© Elle Schneider

Wie ist es für dich, ein Künstler in Berlin zu sein?

Ich denke es kann überall schwer sein. Berlin ist definitv the place to be gerade – für einen Künstler. Aber ich bin da vorsichtig, denn man kann leicht auf der Strecke bleiben. Man kann in Berlin ständig Party und coole Dinge machen, viel zu viele, demnach ist man zu oft abgelenkt und kann sich nur schwer auf die Arbeit konzentrieren. Berlin ist gut um zu leben, na klar, aber ich nicht gerade um einfach etwas aus dem Boden zu stampfen, da gibt es zu viel Wettbewerb und Sachen zu tun. Die Stadt verändert sich sehr und wird zunehmend Opfer von Tourismus und Mainstream. Ich mag es immernoch, aber in den letzten Jahren hat es an Reiz verloren. Viele haben gerade eine Hass-Liebe mit Berlin, so auch ich.

In Kürze…

3 Dinge, ohne die du nicht leben kannst?

Kunst, Liebe, Reisen

Europa oder USA?

Ich pendel zwischen Europa und Amerika und ich liebe beides, beide Kontinente sind auf ihre Art und Weise atemberaubend schön. Europa ist klein, elegant, intellektuell, bohemian – USA dagegen ist groß, minimal, easygoing, wild. Ich habe immernoch nicht die Antwort zu deiner Frage gefunden. Das ist der Grund warum ich immer wieder mal über den Teich fliege.

 

Dit wär doch och wat für dich:

Veröffentlicht in: Kiekste wa!

Über den Autor:

Die Modedesignerin, Stylistin und Fotografin schreibt hauptsächlich für dieses Modeblog. Sie ist bekannt für ihre fantasievollen Fotos – vor die Linse gekommen sind ihr dabei schon verschiedenste Musiker, Tänzer, Fetish-Performer und außergewöhnliche Individuen aus den Tiefen der Kunst-Welt. Auf Konventionen und Regeln legt die junge Berlinerin dabei keinen Wert und im Ergebnis ist ihr experimentelles Werk dabei alles andere, als langweilig oder gestellt. Erfahrungen als Designerin hat sie bereits bei Joop!, Burberry, Trendbüro Seasons Paris und bei Berliner Labels wie Don’t Shoot The Messengers, Savage Wear und im Bereich Marketing/ PR bei Fashion Patrons und Marketing Catalysts gesammelt. Ihr weites Netzwerk und ihren vielen Talente bekommt ihr nun geballt bei Dit is Fashion!

1 Kommentar auf "Valentina Veil: Psychedelic Berlin"

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  1. Magenta sagt:

    Sehr sympathisch und interessante Antworten! Schöner Beitrag.

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