Von 23. Oktober 2015 0 Kommentare

Von A(msterdam) nach B(erlin)…

Betriebsblindheit sagt jedem etwas. Ich denke, dass es auch so etwas wie „Stadt-Blindheit“ gibt. Denn wahrscheinlich kennt jeder das Phänomen: Wenn wir immer wieder nach Feierabend den gleichen Weg nach Hause laufen, jeden Tag in der Bahn die gleichen Geräusche und Gerüche wahrnehmen und die gleichen Straßen auf und ab fahren, dann ist das für wenige noch spannend. Es wird langweilig und für manche sogar nervig. Weil es nichts mehr zu entdecken gibt? Oder weil wir vielleicht einfach zu müde sind, mal genauer hinzuschauen, weil wir es zu eilig haben, zur Abwechslung langsamer zu gehen? Oder weil wir schlichtweg den scheinbar harten Machtkampf gegen die Routine und die Gewohnheit gar nicht erst antreten wollen?

Wer seinen eigenen Betrieb mit anderen Augen sehen will, wechselt dann mal die Filiale oder das Unternehmen, um eben nicht betriebsblind zu werden. Wer seine Heimat  wieder neu sehen will, der besucht dann eben andere Städte.  Ich besuche Amsterdam.

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Und ich liebe es. Ich entdecke viele Ruheoasen. Und damit meine ich keine Coffeeshops. Es sind die vielen Hausboote, die mit Liebe eingerichtet wurden, die einen träumen lassen. Immer wieder sehe ich bunte, verspielte sowie bemalte Bänke,  die einen hier verweilen lassen.

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Und ich bin begeistert von den hübschen Treppen, die zum „Cornern“ einladen, von den Ca­fés, die so viel Ruhe und Wellness  ausstrahlen, von die vielen Fahrrädern, die eben doch leiser und entspannter sind als eine hupende Autokolonne in Kreuzberg. Der Puls schlägt in der Innenstadt von Amsterdam, vor Allem in den Touristengebieten, genauso hoch wie in Berlin. Hektik, Lautstärke und Gedränge gibt es in Amsterdam eben auch. Die Unruhe ist da, aber sie stört mich nicht. Zum einen weil sie spannend ist, da es eben andere Geräusche, andere Menschen und neue Orte sind. Zum Anderen, weil ich entfliehen kann und all die schönen Orte für mich so leicht zu finden sind, als prange ein roter Pfeil über ihnen: Komm hier her! Hier wird es dir gefallen!

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Mir ist bewusst geworden, dass genau diese Antenne, dieser roter imaginäre Pfeil, mit der Zeit kaputt gehen kann, wenn wir nicht mal andere Wege gehen und dadurch neue Eindrücke sammeln. Der entscheidende Knackpunkt ist doch: Im Alltag laufen wir meist von A nach B. Im Urlaub oder in neuen Umgebungen laufen wir von A nach, ja wohin eigentlich? Vielleicht wird es C ? Vielleicht machen wir einen Abstecher bei Z und machen bei B Pause, weil wir doch lieber nach C wollen? Wer nur das Ziel im Blick hat, kann zwar ankommen. Wer aber nur den nächsten Schritt im Blick hat, kann jeden Tag ein neues Ziel entdecken und erreichen. Und das fühlt sich wunderbar an.

Übrigens, sobald ich wieder in Berlin war, habe ich meine Wohnung komplett umgeräumt. Der rote Pfeil blinkt jetzt wieder jeden Abend, wenn ich nach Hause komme.

Dit wär doch och wat für dich:

Veröffentlicht in: Kiekste wa!

Über den Autor:

Die ausgebildete Modedesignerin Lisa „Litchi“ Völker hat es vom schönen Bodensee zunächst nach Stuttgart und anschließend nach Berlin verschlagen. Als Personal Shopperin, Stylistin sowie als Visual Merchandiserin hatte sie immer ein Auge für komplette Looks und liebt es Streetstyles aber auch ganz neue Trends auf der Straße zu entdecken. Ein absolutes Faible hat sie für ausgefallene Accessoires und Schuhe. Auf kreativen Märkten, Modemessen und Fashionevents blüht Litchi auf und hier kommt ihre zweite Leidenschaft, das Schreiben, ins Spiel. Über ihre Touren schreibt sie als Moderedakteurin ab sofort nicht nur auf ihrem Blog sondern auch für Dit is Fashion.

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